Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen
Der Februar naht und wir freuen uns schon riesig auf die Premiere von «A Certain Darkness Is Needed to See the Stars» von Ramón Oliveras & Kim de l’Horizon (7.2./8.2.). Dazu haben wir den zwei Künstler*innen drei Fragen zur Ritual-Performance inklusive Schlagzeug-Solokonzert gestellt.
Was ist der Hintergrund von «A Certain Darkness Is Needed to See the Stars» beziehungsweise: Wie ist das Stück entstanden?
Ramón Oliveras: Es entstand in einer Zeit der Trauer und des Umbruchs, als ich mich mit dem Verlust meiner Mutter auseinandersetzte, welche ich vier Jahre lang in ihrem Sterbeprozess begleitet hatte. Der Tod, der zuvor ein abstraktes Konzept gewesen war, wurde plötzlich zu einer greifbaren Realität. Die Nähe zum Tod verstärkte aber auch meine Wahrnehmung der Schönheit und Zerbrechlichkeit des Lebens. Ich begann, die flüchtigen Momente intensiver zu erleben und die Verbindung zu meinen Lieben bewusster zu pflegen.
Mit dem Stück möchten wir einen Raum schaffen, der es anderen Menschen ebenfalls ermöglicht, in diesen Prozess einzutauchen. Es ist eine Einladung, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen und die Schönheit des Lebens in all seiner Fülle zu feiern. Es ist der Tanz zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Trauer und Freude, zwischen Leben und Tod.
Wie habt ihr als Künstler*innenduo zusammengefunden?
Kim de l’Horizon: Wir trafen uns bei einem neopaganen Ritual. Es war die längste Nacht des Jahres. Mit dem Ritual wollten wir die Geister des Winters mit Feuer vertreiben; die meteorologischen Geister ebenso wie die anderen Geister der Kälte und Kluft; verletzte Herzen, gewalttätige Konflikte und fehlende Gemeinschaften. Das Individuelle und das Kollektive vermischten sich, wie immer. Wir erdeten uns auf dem steifen Boden und beschworen die Elemente und unsere Gemeinschaft. Am Ende des Rituals waren viele Dinge klar: Wir beide wollten zusammenarbeiten. Unsere Kräfte und unser Wissen vereinen, um andere Wege zu finden, die Geister der Grauheit zu bekämpfen.
Was wäre für euch die perfekte Rückmeldung aus dem Publikum?
Ramón Oliveras: Ich hoffe, dass die Erfahrungen des Publikums in diesem Raum sehr vielfältig und individuell ausfallen. Ich freue mich aber sehr, wenn die eine oder andere Person sich mit den eigenen Gedanken und Gefühlen zur Vergänglichkeit auseinandersetzt und damit eine tiefere Verbindung zu sich selbst und anderen herstellt. Denn: To be blessed in death, one must learn to live. To be blessed in life, you must learn to die.