Liebe*r Leser*in
Theater kann verdeckte Schichten freilegen. Im «Gedanken zu Theater» beschreibt Amani Abuzahra, wie sich Erfahrungen in Haltungen, Blicken und Reflexen einschreiben, wie ihr alltägliches Lächeln zur erlernten Schutzstrategie wurde und Theater diese sichtbar machen und unterbrechen kann.
Diese Schichten stehen auch im Zentrum des Gesprächs der Journalistin Suban Biixi mit Fatima Moumouni und Zainab J Lascandri. Die Künstlerinnen erzählen vom Aufwachsen als Black children, von Einsamkeit und Rassismus, vom Paradox, an der falschen Stelle gesehen und zugleich nicht gesehen zu werden. Aus den im Körper archivierten Erfahrungen wächst der leise Wunsch nach einer anderen Zukunft, nach Frieden.
Theater vermag es auch, der lauten und schnellen Gegenwart Langsamkeit, Zwischentöne, Vielstimmigkeit und ein gemeinsames In-Beziehung-Treten entgegenzusetzen. Dramaturg*in Noa Winter gibt einen Einblick in den Programmschwerpunkt «Communities of Hope», in dem Hoffnung, Zukunft und Gegenwart verknüpft werden.
So auch bei Hadija Haruna-Oelker, Journalistin und Schwarze Mutter eines behinderten Kindes, die seit Jahren an der Frage arbeitet, wie ein Zusammenleben in Differenz möglich ist. Autorin Marah Rikli zeigt in ihrem Porträt, dass Haruna-Oelkers Arbeit weniger Anklage ist als eine Einladung, Würde bedingungslos zu denken und Gemeinschaft neu auszuhandeln.
Nach einer bewussten Pause kehrt Anouchka Gwen mit einer neuen Nähe zu sich selbst als Solokünstler*in auf die Bühne zurück. Im Gespräch beschreibt die Musiker*in Verletzlichkeit nicht als Schwäche: Kunst kann einen Raum öffnen, der sich anfühlt wie eine Umarmung.
Im Gespräch reflektiert die gefeierte brasilianische Autorin und Regisseurin Carolina Bianchi über ihren internationalen Durchbruch mit «The Bride and The Goodnight Cinderella», über ihren Werdegang und ihre künstlerische Praxis. Theater als existenzielle Notwendigkeit, als Raum unendlicher Möglichkeiten; Verwirrung ist die Perspektive, Freundschaft die Überlebensstrategie.
Die speziell gesetzte Klammer zeigt anhand zweier Beiträge von Mani Owzar, wie im Schulalltag an einer hoffnungsvollen, gerechteren Zukunft gearbeitet werden kann. Scheinbar neutrale Begriffe und Routinen werden hinterfragt. Und es wird aufgezeigt, welche Wirkung die Umsetzung geschlechtergerechter und diskriminierungssensibler Bildung hat.
Auch diesmal finden Sie unsere wiederkehrenden Formate: Fotografin Hannah Gottschalk ist auf Probenbesuch bei «PERCEPTIONS» von Choreografin Anna Chiedza Spörri. Künstler*in und Musiker*in Rada Leu zeichnet einen Comic zur Performance «Wen Keng We Meet? – On Connection». In der Modekolumne stellt Künstler*in Lovis Heuss bequeme, farbige und genderqueere Fashion vor. Und Kabarettistin und Autorin Lisa Christ weist uns die Zukunft als Gebrauchsanleitung für Alltag und Seele, vom Kleiderschrank aus gedacht.
Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre.
Rahel Bains, Kathrin Veser, Miriam Walther