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Editorial

Hinhören

Die achte Ausgabe unserer Zeitung ist da. Mit Geschichten über verrutschte Wahrnehmungen, Kavalleriepferde, das Nicht-weiter-Wissen sowie Hitze, Humor und Chaos.

Rahel Bains, Kathrin Veser und Miriam Walther, 8. Juni 2026

Liebe*r Leser*in

Wenn es im Theater dunkel wird, liegt ein Versprechen in der Luft. Im «Gedanken zu Theater» schreibt die scheidende künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Tanzhauses Zürich, Catja Loepfe, über genau diesen Augenblick: dass etwas beginnen kann, was ausserhalb dieses Raumes nicht möglich wäre. Ein Moment, in dem Wahrnehmungen verrutschen, Gewissheiten ins Wanken geraten, neue Formen des Zuhörens, Denkens und Zusammenseins entstehen.

Auch die Beiträge dieser Ausgabe bewegen sich in solchen Zwischenräumen, zwischen Sprache und Stille, Unsicherheit und Begegnung. Sie fragen danach, was geschieht, wenn wir genauer hinhören und neue Räume öffnen.

Der Journalist und Fotograf Julien Felber begibt sich auf einen historischen Parcours durch die über 150-jährige Geschichte der Gessnerallee. Von Kavalleriepferden und Kasernenbetrieb über Jugendbewegungen und Autobahnpläne bis hin zum Freien Theater. Begleitet wird er von Zeitzeugin Alice Bamberger, Zürcher Stadtoriginal und Ladenbesitzerin.

Die Schriftstellerin Julia Weber tritt mit der Regisseurin Rebekka Bangerter in einen Briefwechsel über Sprache und das Stück «Mutterzungen». Es entsteht ein Nachdenken darüber, was Worte ordnen, was sie verlieren und was zwischen ihnen überhaupt erst wahrnehmbar wird.

Für ihre Artist Note fragt Bühnenautorin und Moderatorin Fatima Moumouni, was passiert, wenn Unsicherheit nicht versteckt, sondern bewusst zugelassen wird. Denn während Unsicherheit für viele ein Experiment sein mag, gehört sie für Menschen, die gesellschaftliche Ausschlüsse erfahren, oft zum Alltag. In ihrer Gesprächsreihe «Die Neue Unsicherheit – Disco Edition» wird das Stocken, Suchen und Nicht-weiter-Wissen zur Methode, zum Raum für Verletzlichkeit, Widersprüche und gemeinsames Denken. Denn genau dort, wo Kontrolle abgegeben wird, geschieht oft etwas Seltenes: Nähe.

Die «Klammer» ist ein Gespräch der Klangkünstlerin und Theoretikerin Salomé Voegelin mit dem Künstler, Musiker und Theatermacher Dimitri de Perrot. Im Zentrum steht das Projekt «Open Studio», das von November 2025 bis März 2026 an der Gessnerallee stattfand. Dazu lud de Perrot Künstler*innen ein, Räume des Hörens, der Begegnung und des gemeinsamen Erprobens zu öffnen.

Unsere wiederkehrenden Formate bereichern auch diese Ausgabe: Hannah Gottschalk war für ihren Fotoessay im Plakatlager der Gessnerallee unterwegs. Die Künstler*in und Musiker*in Rada Leu zeichnet einen Comic zur Performance «MASTEKTOMIE. Ein bittersüsses Abschiedslied» des freien Performancekollektivs CHICKS*. In der Modekolumne präsentiert Performancekünstler*in sowie Theater- und Disabilitywissenschaftler*in Nina Mühlemann witchy, schillernde und zugleich bequeme Fashion. Und die Künstler*in und Schauspieler*in Rhea Seleger wirft im Theater-Horoskop einen Blick in die Zukunft.

Und weil gute Bilder mehr Platz brauchen: Ein Motiv aus dem Fotoessay liegt dieser Ausgabe als Plakat bei – als Geschenk für unsere Leser*innen.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre.

Rahel Bains, Kathrin Veser, Miriam Walther

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